Zahlentanz
Der Zahlentanz mit Ziffern spielt nicht nur mit Formen

Der Zahlentanz spielt auch mit Bedeutungen und den Beziehungen zwischen Wort und Bild und greift mit ∏ (Pi) auch noch eine unendliche, nichtperiodische wie transzendente Zahl auf. Das Lesen kann eigentlich nur in solchen Zusammenhängen Freude bereiten.
Ein anderer interessanter Zahlentanz findet sich im Faust. Dort fabuliert Johann Wolfgang von Goethe sein
Hexeneinmaleins
"Du musst verstehn!
Aus Eins mach Zehn,
Und Zwei lass gehen,
Und Drei mach gleich,
So bist Du reich.
Verlier die Vier!
Aus Fünf und Sechs,
So sagt die Hex,
Mach Sieben und Acht,
So ist's vollbracht:
Und Neun ist Eins,
Und Zehn ist keins,
Das ist das Hexen-Einmaleins."*
Dabei spielt Goethe mit der fehlenden Anzahl 0 im Dezimalsystem, denn "10 ist Keins" übersteigt die kompletten Zahlen von 1 bis 9. Wir sehen das zehnte Quadrat und es ist tatsächlich kein Mitglied der 9er-Gruppe.
Wenn Lyrik auch so vertrackt ist, dann erfordert ihr Verständnis etliches an Arbeit. Zum Glück ist das nicht immer so. Und zum weiteren Glück gibt es auch welche, die diese Arbeit begleiten, beispielsweise das Lyrik-Lab Ruhrgebiet.
* Goethe, Johann Wolfgang von, 1989, Hexeneinmaleins, in: Werke, Bd. 3. Faust I und II. Die Wahlverwandtschaften, hg. von Albrecht Schöne und Waltraud Wiethölter, Darmstadt, Seite 92
