Lyrische Formel
Wir kennen lyrische Formeln seit Kindesbeinen
Abrakadabra, Hokus Pokus und Simsalabim haben einen Reimfaktor. Waschmittel, Hautcremes und Gebäckmischungen werden regelmäßig mit neuen Formeln auf den Markt gebracht und selbst eine Mineralwasser-Marke scheut sich nicht sich H2O zu nennen.
Die Lyrik-Formel
Nur bei Gedichten hieß es immer, die sind so schwierig. Das inspirierte uns dazu, uns eine schlichte doch brauchbare Lyrik-Formel auszudenken. Und voilà, hier ist sie:

Wir lassen Sie nicht im Unbekannten stehen, sondern erklären unsere Lyrik-Formel so:
Die Lyrizität L
einer Variablen (y), vorzugsweise eines Gedichtes,
ist gleich
dem Produkt der
Reichweite des Reimfaktors r
mit dem
Imaginärteil zugehörender Konnotationen ik.
Norbert Stenkamp
Für Spezialfälle lassen sich formale Anpassungen durchführen.
Wir können die Poetzität oder Lyrizität in Frage stellen oder Art und Umfang der Reimfaktoren oder den Imaginärteil zugehörender Konnotationen; wir können aber auch das Gleichheitszeichen hinterfragen >>>> und springen damit direkt zum Parallelenaxiom
Beim Reimfaktor kann es sich natürlich auch um ein Integral handeln oder eine Summen-Formel, ...
Die Möglichkeiten, diese Lyrik-Formel auszuformulieren wachsen komplexionell.
P. S.: Griffe doch unser Verständnis gegenüber unserer theoretischen Kenntnis nur nicht so kurz?
Imaginärteil
Schon die Bezeichnung, Imaginärteil, scheint die Frage nach ihrem Seins-Bezug zu stellen; gibt es das? und dazu noch in einer Lyrik-Formel? oder sogar im Gedicht?
Und dann natürlich die Frage, welche Aufgabe mag diesem Teil der Formel zufallen?
Carl Friedrich Gauss erläuterte beispielsweise: “Hätte man +1, -1, √-1 nicht positive, negative, imaginäre (oder gar unmögliche) Einheit, sondern directe, inverse, laterale Einheit genannt, so hätte von einer solchen Dunkelheit (hinsichtlich des ontologischen Status, N. St.) kaum die Rede sein können.”*
Wir glauben dagegen, Dunkelheiten verbergen sich in Allem, hinter Allem und durch Alles. "Φ: Wenn 2 + 2 = 4, so gibt es für jede ganze Zahl n > 1 eine Primzahl zwischen n und 2n"** Wer hätte das gedacht? Vor allem aber, - wer hätte es ohne Formel so fabelhaft beweisen können?
Keith Devlin, dem wir hier dieses Beispiel verdanken, sagt, gewöhnlich käme niemand im auf die Idee, aus einer solch flachen Feststellung wie 2 + 2 = 4 eine tiefe zahlentheoretische Aussage abzuleiten. Das lässt sich natürlich nicht der schlichten Aussage anlasten. Wir sind es, die meistens oberflächlich verbleiben.
* Mehrtens, Herbert, 1990: Moderne - Sprache - Mathematik. Eine Geschichte des Streits um die Grundlagen der Disziplin und das Subjekt formaler Systeme, Frankfurt/M., Seite 30f.
** Devlin, Keith, 1993: Infos und Infone. Die mathematische Struktur der Information, Basel, Boston, Berlin, Seite 23
